Liebe und Hass

Jan 23 2019

Was fällt uns zu Liebe ein, oder welche Bilder produziert unser geistiges Auge? Möglicherweise fallen uns zuerst Paare ein, vielleicht denken wir auch an Sex oder – ganz aktuell – beschäftigen uns mit Nächstenliebe, da es in Anbetracht der schrecklichen Ereignisse, die auf der Welt passieren, an ihr mangelt. An ein so praktiziertes Wirtschaftssystem, an Kapitalismus oder das Internet denken wir in diesem Zusammenhang wohl kaum, es sei denn, in der negativen Form, also Lieblosigkeit. Aber eigentlich wäre es geradezu logisch – ich meine nicht nur rationalistische, sondern auch gefühlsmäßige Logik – eine Marktwirtschaft zu konzeptualisieren, die von Liebe zu Menschen, Tieren und Umwelt geprägt ist. Dies ist natürlich eine naive Denkweise, aber möglicherweise mangelt es uns gerade an Naivität, denn diese Art von Geld- und Marktwirtschaft hat auch unser Denken in einem einschränkenden Sinn beeinflusst, indem Naivität, oder eher bestimmte Inhalte als negativ eingestuft werden. (Mit der Bezeichnung Gutmensch wurde dies auch versucht.) Ich befürchte, sogenannte künstliche Intelligenz und Digitalisierung tragen weiter zu dieser Denkeinschränkung bei, allein schon, indem diese Begriffe derart mit Bedeutung aufgeladen werden.

Denken wir an Hass, fallen uns wahrscheinlich, ganz aktuell, Hassmails ein. Nicht erst das neue Testament, der Koran, Sigmund Freund oder Erich Fromm haben sich differenziert mit dem Zusammenhang von Liebe und Hass beschäftigt, haben erforscht, dass es sich um Grundgefühle handelt, die quasi auf demselben Stamm wachsen. In Bezug auf Hassmailschreiber kann man zu dem logischen Schluss gelangen, es ermangelt ihnen, oder sie sehnen sich nach Liebe. Ich habe mich gefragt, ob ich Herrn Gauland ob seiner menschenverachtenden Aussagen hasse; bin zu dem Schluss gelangt, dass ich es nicht tue, denn ich stehe ihm persönlich nicht nah. Da ich ihn für einen denkenden Menschen halte, verachte ich ihn eher wegen seiner Aussagen, zum Beispiel zu Flüchtlingen. Hassmails lassen sich verbieten, aber damit ist das eigentliche Problem nicht gelöst, denn der Hass, nicht als Gefühl, sondern als agierte, häufig auf andere projizierte Handlung bleibt bestehen, solange die Ursachen, die ihn erzeugen, nicht beseitigt werden.

So komme ich in meiner naiven Analyse zu dem Schluss, dass unser Denken und Handeln mehr von Liebe, statt von rationalistischer Logik und Vorurteilen geprägt sein sollte, eine Art Leitkultur, ob ich sie nun christlich, islamisch, atheistisch oder vegan begründe. Und wenn wir nicht ohne den deppernden Begriff der Zukunftsfähigkeit auskommen wollen, behaupte ich, dass Liebe zukunftsfähig ist und macht. (Roma)

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