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Noch einmal: Supervision in unruhigen Zeiten

Mrz 13 2018 Published by under Jürgen Kreft

Was genau meinen wir, wenn wir von unruhigen Zeiten sprechen?

Unsere Kanzlerin spricht angesichts fallender Börsenkurse von Koalitionsverhandlungen in unruhigen Zeiten und die Daimler AG wappnet sich mit glänzender Bilanz gegen unruhige Zeiten. Wenn die Kinder unruhig sind oder wir auf unruhigen Meeren segeln, befinden wir uns in einem Zustand ständiger unsere Ruhe störender Bewegung. Der unruhige Schlaf und der unruhig laufende Motor verweisen auf Störungen und Unterbrechungen.

Was stört und unterbricht unsere Ruhe in der Arbeitswelt? Da ist zum Einen der extreme Veränderungsschub durch die Digitalisierung, der Arbeitsplätze vernichtet, viele gewachsene berufliche Routinen radikal verändert, Arbeitszeiten räumlich und zeitlich flexibilisiert und nicht zuletzt gesellschaftliche Folgen initiiert, die kaum abzuschätzen sind. Das Smartphone in der Hand bestimmt unser Leben und verbindet uns über die virtuelle Nabelschnur des World Wide Net und mit allem und jedem.

Was ist es, was unser gesellschaftliches Leben so nervös und lärmend gemacht hat? Anscheinen sind wir uns nicht mehr sicher, ob wir unsere Grenzen für Handel, Ideen und Menschen offen halten sollen oder ob nationale Gemeinschaften das Recht haben, sich abzuschotten. Zunehmend verständnislos stehen sich kosmopolitische und national denkende oder libertär und traditionell denkende Bevölkerungsgruppen gegenüber.  Welchen Menschen müssen wir uns moralisch verpflichtet fühlen: allen oder nur jenen, die sich innerhalb der engen Grenzen des Nationalstaates bewegen? Die alte Konfliktlinie zwischen „links“ und „rechts“ scheint zu verwischen.

Liberale Demokratien scheinen sich in einer Autoritätskrise zu befinden. Institutionen werden nicht mehr als bindend anerkannt und Expertise wird ignoriert. Viele Bürger haben genug von Experten und stellen sich gegen deren Urteil. In der Brexit-Entscheidung der Briten aus dem Jahre 2016 zeigt sich auf exemplarische Weise, wie die Einschätzungen von Experten kein Gehör mehr finden. Alles nur fake news? Unsere Tätigkeit als Beraterinnen und Berater trifft dies direkt.

Mit Blick auf die unruhigen Zeiten wollen die Supervisionstage 2018 Impulse geben, den eigenen professionellen  Kompass im Gespräch mit anderen vielleicht neu zu justieren. (j.k.)

Informationen zur Tagung http://fis-supervision.de/wp-content/uploads/2017/11/FiS-Supervisionstage_2018.pdf

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