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Vertrauen

Mrz 21 2017 Published by under Robert Maxeiner

Einen Großteil meiner Einkäufe erledige ich im Fachhandel. Den Rest besorge ich im nahen Supermarkt. Diese Kette wirbt wie die anderen auch bei allen möglichen Gelegenheiten um mein Vertrauen. Sie informieren nicht, sie preisen mir nur an, wie gut sie angeblich sind. Dies soll mir, dem Kunden, genügen, beziehungsweise mein Vertrauen wecken oder gar festigen. Lebensmittelskandale verursachen andere Firmen, deren Waren zwar in dieser Supermarktkette angeboten werden, die diese aber nicht zu verantworten hat. Umgekehrt wird mir als langjährigem Kunden nie vertraut. Jeder Schein, mit dem ich an der Kasse bezahlen will, wird erst unter Zuhilfenahme einer kleinen Maschine auf seine Echtheit hin überprüft. Dafür soll ich dem Nahkauf dankbar sein, erfahre ich doch, ob ich ein Betrüger bin oder nicht, bzw. bisher habe ich immer die Bestätigung erfahren, dass ich keiner bin. Die Angestellten an der Kasse werben um mein Verständnis, wenn ich nachfrage, denn sie sind von der Firmenleitung dazu verdonnert, meinen Schein zu prüfen. Sollte ich ein getarnter Kontrolleur des Konzerns sein, droht ihnen Rauswurf, wenn sie meinen Schein nicht geprüft haben. Aber mehr als ein- oder zwei Mal mögen sie meine freundlich angekündigte Versicherung, der Schein sei echt, nicht hören und wirken genervt oder drohen mir, ich solle mich an das halten, was üblich sei.

Szenenwechsel: Die Student*innen eines Masterstudiengangs ,Supervision, Coaching…‘ (ich weiß nicht mehr, was noch alles) wollten ein Bewerbungsgespräch mit mir führen, um zu prüfen, ob ich als Lehrsupervisor für ihre Gruppe in Frage käme. Ich erklärte, ich führe keine Bewerbungs-, sondern nur Kontraktgespräche und erläuterte auch, was ich darunter verstehe. Daraufhin hat mich die Uni ohne Angabe von Gründen von ihrer Liste gestrichen. Nach meiner Erfahrung ist es für Teams selbstverständlich, Kontraktgespräche zu führen. Die sie beschäftigenden Institutionen tun sich oft schwerer damit, weil sie es gewohnt sind, den größten oder gar einzigen Einfluss auf das Ziel zu haben.

Ein namhaftes Fortbildungsinstitut bot mir eine Supervision in einem Kurs „Strategisches Management“ an. Nach kurzer Überlegung habe ich abgelehnt, denn ich habe kein Vertrauen, dass strategisches Management Leiter*innen sozialer Einrichtungen gut für ihre Aufgabe qualifiziert. Außerdem haben Manager, die überwiegend strategisch operieren, in der Vergangenheit zu oft versagt. Sicher, es kommt immer auch darauf an, wie es verstanden und angewandt wird. Aber ich finde, es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel, was Managementaufgaben und -haltungen angeht. Leider musste ich erst so alt und unabhängig werden und so viel Selbstvertrauen entwickeln, um mir eine solche Haltung zu gestatten. Vom Saulus zum Paulus musste ich zu meinem Glück nicht werden. (Ein Schriftgelehrter und womöglich ein Pharisäer bleibe ich wohl.) Die Jungen haben es da wesentlich schwerer. Sie sind schon mit strategischem Management, Selbstoptimierung und einseitigen Abhängigkeiten berufssozialisiert. (RoMa)

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