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Was ist normal und wer ist es nicht?

Feb 26 2017 Published by under Robert Maxeiner

Was den Intelligenzquotienten angeht, gilt als normal, wer genau bei 100 liegt, wer also bei 99, ist drunter, wer bei 101 drüber. Folglich wären nur wenige Menschen normal intelligent.

Dass Rechtsextreme und Neofaschisten das 1. Amt in einem Staat ausüben, wird immer normaler. Die Personen selbst, zum Beispiel der amerikanische Präsident, sind häufig nicht normal. Die Quote des Gebrauchs von Abwehrmechanismen, wie von Anna Freud erforscht und beschrieben, dürfte bei ihm extrem hoch sein.

Dass die Grundhaltungen bezüglich Supervision und Coaching immer weiter auseinander gehen, ist inzwischen normal. Normal, bzw. beschlossen ist mittlerweile auch, dass es einen Bundesverband für Supervision und Coaching gibt. Dass der Markt die Qualität sichere, halte ich zwar für Blödsinn, gilt aber vielen Fachleuten längst als normal. Aber es gibt inzwischen bestimmt neuere Verfahren, um das eine ruhigen Gewissens zu tun, ohne das andere lassen zu müssen. Kommt darauf an, welchem Herrn gerade gedient, pardon, welche Dienstleistung gerade erbracht wird. Ich bin mir noch nicht sicher, welchem Abwehrmechanismus dabei der Vorrang gegeben wird, der Verleugnung oder der Kompromissbildung. Denen, die vorwiegend Andere etwas lehren, was zumeist den neuesten Gepflogenheiten des Zeitgeistes entspricht, halten es womöglich mehr mit der Rationalisierung. Das ist normal.

Dass Abschiebegefängnisse jetzt Ausreisezentren heißen sollen, als würden die Menschen in die Folterkammer in den Urlaub fahren, ist zum Glück noch nicht eingenormt. Die Tendenz, Sprache als Kampfmunition zu benutzen, hingegen schon. Selbst das offensichtlich nicht Existierende erhält einen Namen, als sei es faktisch.

Dass ein Vorstandsmitglied eines Unternehmens 57-mal so viel „verdient“ wie ein durchschnittlicher Beschäftigter, ist normal, bei VW bekommt ein Spitzenmanager 141-mal so viel. Dass die SPD mehr Gerechtigkeit will, wird zunehmend als normal angesehen. (Ich erinnere an meinen Beitrag von Sept. 2016.)

Den Mittelfinger zu zeigen, gilt als nicht normal, Waffen nach Saudi Arabien zu schicken schon.

Wir reden von einem Deutschen Volk, obwohl es keines gibt. Gemeint sind die Menschen, welche Staatsbürger dieser Nation sind. Das steht so (ganz normal) im Grundgesetz. Trotzdem meinen einige Mitbürger-innen, es sei normal, das Volk wieder völkisch zu interpretieren und so zu tun, als gäbe es eine deutsche Ethnie. Ja, wo sind wir, bzw. in welchem Jahrhundert leben wir denn?

Argumentiere ich polemisch? Aber ja, das ist doch normal.

Vorgestern besuchte ich eine Ausstellung, die sich mit dem Lebenswerk Rene Magritte‘s beschäftigt. Ein Bild sieht ganz offensichtlich so aus, als sei dort eine Pfeife abgebildet. Darunter steht in französischer Sprache geschrieben: Dies ist keine Pfeife. (RoMa)

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