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Die neue, alte Herrschaftssprache – Ein manipulativer Fragenkatalog

Feb 25 2016 Published by under Robert Maxeiner

Was ist angemessen? Ab wann? Wer misst? Was wird gemessen, was evtl. nicht, und warum ist dies so? Was sind die Messkriterien? Werden sie gleichermaßen angewendet?

Was ist Realpolitik? Oder andersherum gefragt: Was ist keine?

Warum sagen Menschen „Das ist richtig“ oder „Dies ist falsch“, statt “Ich bin der Meinung, das(s)… weil…”?

Warum wird gefightet statt gekämpft, und was bedeutet es, wenn zum Beispiel Fußballspieler fighten und kämpfen?

Warum kämpfen Menschen um die Meinungshoheit statt zu argumentieren? Oder: Warum sollte ein Produkt als gut anzusehen sein, wenn es gut bewertet wurde?

Warum wird häufig etwas bewertet oder gar benotet, bevor frau/man sich ein Bild von dem zu Bewertenden gemacht hat? Welche Kriterien helfen? Welche vermeiden eine klare Sicht auf das Wesentliche? Was ist das Wesentliche?

Ab wann darf etwas als nachhaltig gelten, oder genügt es schon, es als solches zu bezeichnen?

Was bedeutet konkurrenzfähig? Was hat das eine (Konkurrenz) mit dem anderen (Fähigkeit) zu tun? Oder anders gefragt: Sollte das Management eines Unternehmens, das dieses als nicht (mehr) konkurrenzfähig betrachtet oder sich davon bedroht fühlt, nicht etwas tun, um fähiger zu werden, statt seine Mitarbeiter_innen oder deren Gewerkschaft zu bedrohen? Hilft Supervision gegen Bedrohungsgefühle, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein? Oder eher Coaching?

Wann ist das Wirtschaftswachstum ausgewachsen? Oder bleibt es immer unerwachsen?

Was meint „behördliches Versagen“? Wer versagt wem was und warum? Warum hat das Versagen für die Versager kaum Folgen?

Warum wird unsere Sprache so gequält, indem Superlative immer weiter gesteigert werden, obwohl dies doch gar nicht möglich ist oder vor das „sehr“ (gut, schlecht, schlimm) noch ein zweites oder gar drittes gesagt wird? Was sollen unsere Kinder über diesen Sprachmissbrauch denken oder Flüchtlinge, die ständig darüber in Kenntnis gesetzt werden, wie wichtig uns die grammatikalisch korrekte, deutsche Sprache ist?

Was muss eine Partei tun oder zumindest politisch korrekt formulieren, um als regierungsfähig angesehen zu werden?

Kann etwas politisch korrekt formuliert, inhaltlich aber rassistisch sein? Warum empören sich Menschen mehr über das unkorrekt formulierte?

Was unterscheidet die Forderung nach einer Reduzierung der Flüchtlinge von der nach der Reduzierung der Flüchtlingszahl?

Warum genügt es nicht, zukunftsorientiert zu sein, als Ideal oder Haltung für sich selbst? Oder: Was ist zukunftsfähig, und wer will dies in der Gegenwart bestimmen? Könnte zukunftsfähig zum Beispiel bedeuten, Flüchtlinge heute auf ihrer Fahrt übers Meer auf wackligen Booten zu retten, um morgen nicht ihr Ertrinken bedauern zu müssen? Und: Sind wir gegenwartsfähig?

Warum werden überhaupt ständig Fähigkeiten propagiert, obwohl wir häufig noch gar keinen Standpunkt darüber gebildet haben, welche wir brauchen oder erlernen wollen? Das klingt, als sollten wir uns an einem Krieg beteiligen, von dem wir noch gar nicht wissen, wer Verbündete und wer Gegner sind.

Was ist ein Wirtschaftsflüchtling? Kann es gelingen, diesen Begriff zu definieren, ohne ein Vorurteil zu bemühen? Kann auch Kapital flüchten? Hat es Fluchthelfer oder sind dabei Schleuserbanden am Werk, sogenannte Kapitalschleuser? Sind womöglich Geldwäscher Wirtschaftsflüchtlinge?

Warum werden Arme als sozial schwach bezeichnet, und warum gelten Internetforen als sozial?

Bei welchen Gelegenheiten wird auf den Rechtsstaat hingewiesen?

Integrationspflicht: Kann es dies geben, oder ist es nicht mehr eine Forderung nach einseitiger Anpassung, wenn nicht gar Unterordnung?

Kann Supervision dazu beitragen, über Herrschaftssprache und seine Wirkung in Alltagssituationen aufzuklären? (Roma)

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