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Was hat die Natur eigentlich mit uns Menschen geschaffen

Jan 04 2016 Published by under Robert Maxeiner

Eines ist sicher: Natur kann sich nicht täuschen. In der Evolution geschehen komplexe Vorgänge, die mit der Zeit jede ökologische Nische mit Leben erfüllen. So gibt es auf einer kleinen Seychelleninsel einen Vogel, die Elsterdrossel, die nur dort heimisch ist, auf einer anderen und dort nur in einem Waldgebiet, in dem auch die Doppelkokosnusspalme wächst, einen schwarzen Papagei, der nirgendwo anders auf der Welt vorkommt. Dabei hat Zeit in der Natur eine Dimension, welche die Grenzen unserer Vorstellungskraft berührt.

Wir haben keine Zeit, auch weil wir keine zu verlieren haben. Vor nicht allzu langer Zeit kannten wir noch den Müßiggang. Der im September leider verstorbene Poet und Liedermacher Christof Stählin singt darüber in einem Lied über Joseph, den Freiherrn von Eichendorff.

Die Natur nimmt Umwege, jedenfalls neigen wir dazu, es so zu beschreiben. Zum Beispiel lebte eine kleine Säugetierart im Eozän, also vor mehr als 50 Millionen Jahren, wieder überwiegend im Wasser, aus der später die Wale entstanden. Wir Menschen, Homo Sapiens Sapiens haben uns über viele Umwege aus anderen Menschenarten, die wieder ausgestorben sind, entwickelt und leben noch nicht lange auf der Erde. Dies geschieht häufig in der Natur: Arten kommen und verschwinden wieder, bilden eine Seitenlinie der Evolution, die sich nicht fortentwickelt.

Im Gegensatz zu anderen Spezies leben Menschen nicht in einer ökologischen Nische, sondern haben sich überall auf der Erde verbreitet, selbst in Wüsten und arktischen Zonen. Auch gibt es kein Wesen, das mit ihnen konkurrieren oder eine Gegenkraft bilden kann, welche in der Evolution förderlich ist. Folglich konkurrieren wir mit der Natur selber, indem wir sie bekämpfen, also ausbeuten und anschließend das ausgebeutete Gebiet renaturieren. Zumindest glauben wir das.

Vielleicht spüren wir tief in uns drinnen, dass wir nicht die Krone der Schöpfung, sondern ganz im Gegenteil, zu einer Seitenlinie gehören. Womöglich ist dies unser evolutionäres Schicksal, mit der Schöpfung selber konkurrieren zu wollen und uns gegenseitig den Lebensraum streitig zu machen.

Der Klimagipfel, der vor kurzem in Paris stattfand, hat mich etwas optimistischer gestimmt. Vielleicht sind wir Menschen doch noch zu retten. Wir Menschen, nicht die Welt, die braucht uns nicht, um sich selber zu retten. Aber welcher Konzern oder gar Staat tut denn schon etwas freiwillig. Eher gilt die Devise – siehe FIFA, VW und all die anderen – sich nicht erwischen zu lassen.

Wahrscheinlich werden wir als Art nicht lange auf dieser Erde weilen. Ich meine dies nicht fatalistisch oder resignativ, sondern ganz nüchtern. Jeder Tag länger ist ein Erfolg, auch in unserem schnelllebigen Sinn. (RoMa)

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