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Lederhosen und Kopftücher

Jul 11 2015 Published by under Robert Maxeiner

Wenn ich mit Frauen, die Kopftücher tragen, in Kontakt komme, zum Beispiel bei Supervisionen, kann ich immer wieder feststellen, dass diese fast immer gut verständliches, grammatikalisch einwandfreies Deutsch sprechen und wenn nicht, leben sie meist noch nicht lange hier, geben sich aber große Mühe, sich verständlich auszudrücken. Bei Lederhosenträgern verläuft dies etwas anders: In der Supervision tragen sie keine Lederhosen, eher selten sprechen sie verständliches Deutsch, noch geben sie sich besondere Mühe damit. Da ich selbst meinen Dialekt liebe, hätte ich durchaus Verständnis dafür, wenn sie deutsch quasi als erste Fremdsprache benutzen, aber sie reden außerhalb ihres Territoriums einen merkwürdigen Mischmasch, weder Dialekt, noch hochdeutsch.

Kopftuchträgerinnen wirken überzeugend authentisch, denn sie tragen ihr Kopftuch überall in der Öffentlichkeit. Lederhosenträger dagegen, zum Beispiel Politiker der CSU, reden immer ungeheuer konsequent oder drohen Konsequenzen an, wenn es um das Verhalten anderer geht, tragen aber ihre Lederhosen oder ihren Trachtenjanker nur bei Volksfesten, Veranstaltungen ihrer Partei, Folkloreabenden oder die Fußballer des FC Bayern bei Meisterschaftsfeiern. Und dann zwingen sie auch noch ihre ausländischen Spieler und Trainer in diese Kluft, die darin total affig aussehen. Dabei geben sie gebetsmühlenartig solche Sätze wie „Mir san mir“ von sich. Stellen Sie sich mal vor, Kopftuchträgerinnen würden vergleichsweisen Schmarr‘n von sich geben, das Gejaule aus der CSU wäre wohl unerträglich. Und in Bezug auf eigenes, ungesetzliches Verhalten lassen sie jegliche Konsequenz vermissen. Werden menschenverachtende Missstände in Bayern einmal aufgedeckt, wie im Fall Mollath geschehen, führen sich die Brandstifter auf als wären sie die Feuerwehr.

Kopftuchträgerinnen haben im Allgemeinen keine Schwierigkeiten mit dem Gesetz, es sei denn, man schafft eigens eines, um sie zu gängeln. Politiker der CSU dagegen sind bereit, Gesetze zu ignorieren, wenn es um ihre parteipolitischen Forderungen geht und wie im Fall Dobrinth, Millionen Euro aus Steuergeldern schon vorher dafür auszugeben. Offenbar sind diese CSU-Politiker überhaupt nicht mit diesem Land Deutschland identifiziert, sondern nur mit ihrem Freistaat, sonst könnten sie nicht so eine deutschlandfeindliche Politik machen. Ist ja kein Wunder, denn im Gegensatz zu anderen Politikern sind sie zwar für die Bundespolitik gewählt, aber nur von Bayern, also eine Art Lobbygruppe. An demselben Phänomen krankt die EU. Politiker-innen sind mit ihren Heimatländern identifiziert, für Europa bleiben nur die Geldgeschäfte, selbstverständlich zum eigenen Vorteil.

Und ist diese CSU überhaupt noch eine Partei? In Bayern regiert sie immer. Offenbar fühlen sich CSU-Politiker wie früher Könige als geborene, bayrische Regierung. Hegt Jemand Zweifel an ihrem Tun, fragen sie sofort: „Ja, wo sammer denn?“ Offenbar sind sie, wiederum den bayrischen Königen vergleichbar, schnell desorientiert, wenn es nicht so geht, wie sie wollen.

Bayern ist ein Staat im Staat. Die Politiker der CSU wollten Kernkraftwerke, wehrten sich aber vehement gegen ein Endlager in Bayern. Sie wollen keine Windräder in ihrem Freistaat, keine Stromtrassen, sie wollen nur die Vorteile, alles Nachteilige sollen die anderen Bundesländer schultern. Ihre merkwürdige Haltung begründen sie gerne mit dem Länderfinanzausgleich, weil sie zu den Einzahlern gehören. Wenn diese Form des Ausgleichs schon nicht im Inland funktioniert, wie soll es denn in Europa gehen?

Kopftuchträgerinnen sind integriert. Falls sie eine doppelte, kulturelle Identität haben, können sie gut damit leben, wenn man sie lässt. Dies ist mittlerweile typisch deutsch. Von Lederhosenträgern kann man dies nicht behaupten. Außerhalb ihrer Region fremdeln sie sofort, verleugnen sich, indem sie ihre Lederhosen zu Hause lassen und womöglich diffamieren sie auch noch andere. So ist es ihnen ungeheuer wichtig, einen Münchner von einem Ober- und diesen von einem Niederbayern zu unterscheiden, während unsereins sich als Preuße, der man nicht ist, beschimpfen lassen muss. Und ständig über den rechten Rand hinaus zündeln, wie Herr Seehofer dies dauernd tut, halte ich für mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar, somit undeutsch.

Als Supervisor finde ich es spannend, mich mit diesem Phänomen ach so fester, scheinbar geradezu logischer Standpunkte, kritisch auseinanderzusetzen, um meinen eigenen zu finden, denn allzu leicht übernehmen wir eine ganz bestimmte Sicht der Dinge, weil sie uns immer wieder als selbstverständlich angepriesen wird. (RoMa)

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