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Ambivalenzen

Jan 18 2015 Published by under Robert Maxeiner

Vordergründig betrachtet geht es um widersprüchliche Gefühle. Ich denke, Gefühle können gar nicht widersprüchlich sein, eher unterschiedlich. Es ist die Ratio, welche zwanghaft glaubt, die Geister scheiden zu müssen.

Die Reflexion, gerade der ambivalenten Gefühle, hilft uns nicht nur, den Alltag mit seinen vielfältigen Herausforderungen zu bewältigen, sondern auch, uns als Menschen zu ertragen, unsere Launen, unsere Unvollkommenheit, dieses uns nicht so sein lassen können.

Wenn wir die ambivalenten Gefühle unterdrücken oder meinen, immer nur eindeutig sein und korrekt handeln zu müssen, laufen wir Gefahr, wie es Konstantin Wecker in einem Lied ausdrückt, zu Abziehbildern zu werden, also zu angepassten Duckmäusern, Spießbürgern, Untertanen, oder einfach im Mainstream mit zu schwimmen, die Meinung zu vertreten, die gerade angesagt ist. Am anderen Pol lauern Fanatismus und Intoleranz, denn wenn ich selbst immer glaube, die richtige Meinung zu besitzen, zur richtigen Seite zu gehören, das richtige, eindeutige zu tun, müssen die Anderen die Falschen oder die Fremden sein.

Es gibt keine richtige Meinung, sondern nur die, welche ich mit Überzeugung, Vehemenz, sachlich, kämpferisch vertrete. Die Reflexion der ambivalenten Gefühle ist auch eine Sache oder ein Faktum, ein individuelles und subjektives. Ich werde es nicht vermeiden können, mich selbst zu erkennen, einen Menschen, der das Gute anstreben mag, aber auch fähig ist, das Böse zu tun. Und wir sind nicht programmierbar wie Computer. Das ist nicht nur unser Schicksal, sondern auch unser Glück – selber denken zu können.

Und nichts, gar nichts ist alternativlos. Weil die Gewalt so gefährlich ist, wird sie in einer demokratischen Verfassung geteilt, Gewaltenteilung. Ein Rechtsstaat handelt nicht automatisch gerecht. Das gilt es nicht nur zu erkennen, sondern auch zu ertragen. Also müssen wir uns immer wieder neu für Gerechtigkeit einsetzen, mit unseren Mitteln dafür kämpfen. Wer schärfere Gesetze will, die Vielfalt zur Einfalt umstrukturieren, spielt den Fanatikern und Terroristen in die Hände.

Das Paradies, die Aufhebung der Ambivalenzen, das nur Schöne und Gute ist eine Illusion. Und außerdem hielten wir die Langeweile dort nicht aus. (RoMa)

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