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Ich bin gerne Supervisior

Dez 14 2014 Published by under Robert Maxeiner

Gute Gründe dafür gibt es einige, zum Beispiel der, dass ich mit Gruppen und Teams arbeite, die sich (noch immer) nicht als meine Kunden fühlen, und die ich auch nicht als solche bezeichne und behandele. Dazu kommt, dass es mir egal ist, was Andere darüber denken, und ich noch nicht einmal begründen muss, warum ich dies so mache, obwohl die sogenannte Meinungsführerschaft (noch immer) und trotz FDP-Abwahl am Kundenprinzip fest hält. Falls Sie keinen Zusammenhang zwischen dem einen und dem anderen Argument erkennen, ich werde mich nicht für Sie abstrampeln, einen herzustellen.

Der Hauptgrund, warum ich meinen Beruf gerne ausübe, ist der, dass ich mit meinen Supervisanden deren Berufspraxis reflektieren kann. Dies klingt heutzutage geradezu anachronistisch, vor allem wenn ich dies ausschließlich tue. Natürlich gibt es häufig Situationen, in denen vor lauter Anforderungen, zum Beispiel an Dokumentation und neuen Vorgaben der Weg zum Klientel oder dem eigentlichen Auftrag sehr eng, manchmal gar versperrt ist. Dann muss ich mit den Supervisanden überlegen, wie dieser Weg wieder frei zu bekommen ist. Ich freue mich auch darüber, wenn dies gelingt, auch wenn die Frustration darüber bleibt, dass sich grundsätzliche Bedingungen, welche die Arbeit erschweren, nicht ändern. Dabei bin ich zum Glück nicht darauf angewiesen, sie mit ständig neuen Verfahren zu bombardieren, die sie angeblich entlasten, indem das Management im Alltag noch weiter verbessert und die Ressourcen noch weiter ausgebeutet werden sollen. Der Mensch lässt sich nämlich nicht darüber definieren oder darauf reduzieren, welchen Nutzen er erbringt.

Indem ich auf diesen Seiten dauernd Kritik übe, brauche ich trotzdem nicht aufzuzeigen, wie es besser geht, und dies ist ein weiterer Grund, warum ich gerne Supervisor bin, und warum ich meinen Beruf gerne in diesem Land ausübe. An der politischen Willensbildung werde ich mich selbstverständlich weiterhin beteiligen.

Falls die Positivisten unter Ihnen mich jetzt als einen der Ihren ansehen, muss ich Sie enttäuschen. Diese dauernden Bewertungen zwischen Not und Elend, womöglich auf einer Skala zwischen 1 und 6, nerven mich nur an. Außerdem möchte ich mir nicht meine Launenhaftigkeit austreiben. Vorsehen muss ich mich viel eher vor meiner Selbstgerechtigkeit. Diese bedarf der ständigen Reflexion. (RoMa)

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