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Unendlicher Spaß und verunsichernde Unbestimmtheit

Aug 12 2014 Published by under Jürgen Kreft

Anfang des Monats habe ich eine Ausstellung in der Schirn – Kunsthalle Frankfurt besucht. Angelockt von dem Titel „Unendlicher Spaß“, der auf den 1996 erschienen Roman von David Forster Wallace Bezug nimmt und den ich vor einigen Jahren zumindest in Auszügen gelesen hatte, war ich gespannt auf die künstlerische Umsetzung. Die Ausstellung präsentiert 18 künstlerische Einzelpositionen in je eigenen Räumen.

Obwohl ich mit aktuellen Tendenzen moderner Kunst durchaus vertraut bin, hat mich die Präsentation von Videos, Skulpturen und Installationen zunächst wenig angesprochen, dann mehr oder weniger stark verunsichert und schließlich im Nachgang länger beschäftigt, als ich gedacht hätte. Was war mit mir geschehen?

Die Verbindung der Ausstellung zum Roman von David Forster Wallace muss mich irgendwie „gestimmt“ haben, obwohl ich auch im Nachhinein nicht sagen könnte, in welche Richtung und mit welchen Erwartungen. Spürbar aber war, dass die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die künstlerischen Interventionen blieben für mich mehrdeutig, verworren und in ihrer Gesamtheit auch widersprüchlich und dunkel. Was widersprüchlich ist, passt nicht zusammen, und was mehrdeutig und verworren ist, lässt sich schwerlich aufeinander beziehen und verbleibt in einer unbestimmten Zusammenhangslosigkeit. Die Broschüre zur Ausstellung hatte meine Verwirrung, ohne mich zu kennen, bereits vorweg genommen, indem sie auf das von den verheißungsvollen Möglichkeiten einer globalen und virtuellen Welt und völlig überforderte Ich hinweist.

Aus Beratungsprozessen kennen wir dieses Phänomen: die Betroffenen stecken in einer sozialen Situation, die für sie unverständlich bleibt und ihre Handlungs- und Verstehensmöglichkeiten blockiert. Meine Blockade war selbst gemacht durch meine – nicht gewussten – Erwartungen. Erst mit zeitlicher und räumlicher Distanz konnte ich die Ausstellung genießen. Erfreulicherweise war die Erinnerung noch nicht verblasst.

P.S. Besonders gefallen hat mir eine Wandarbeit von Maurizio Cattelan. 250 farbig leicht differierende Gummiköpfe, die das Gesicht des Künstlers nachbilden. Same but different! Vereinzelung in der Masse. Überall nur „Ich“.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 7.September 2014. (j.k.)

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