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Keine Einfälle

Feb 15 2014 Published by under Jürgen Kreft

Was für den Blogger die Schreibblockade ist für den beraterisch arbeitenden Menschen das belastende Gefühl, zu dem vorgestellten Problem weder Zugang noch Einfälle zu bekommen. Der Supervisand schildert Situationen, unter denen er leidet und aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint. Der Druck überträgt sich: mir fällt auch nichts ein! Meine Fragen und Anregungen führen in Sackgassen. Wahrscheinlich habe ich noch nicht richtig verstanden, worum es eigentlich geht. Aber das Verstehen-Müssen dient auch nicht gerade dazu, dass ich mich entspanne – und ohne Entspannung keine guten Einfälle.

Ich erinnere mich an den Vortrag von Annegret Wittenberger auf den FIS-Tagen in Mainz 2011: Sie sprach über Sackgassen und Denkräume und erinnerte an den Bion´schen Begriff der ´Negative Capability`. Damit wird versucht, die Fähigkeit zu bezeichnen, Nichtwissen zu ertragen. Man könnte es sich vorstellen als eine Art Toleranz für Unwissenheit: Wenn „der Denkraum in sich zusammengefallen ist, dann brauche ich die Negative Capability, die Toleranz für Unwissenheit. Ich kann dann nur noch fühlen /…/. Fühlen, wie es mir geht in dieser Situation, dieser Beziehung, in der Hoffnung, über mein Empfinden meinen Denkraum wiederzugewinnen.“

Einen wirklichen Ausweg aus der Sackgasse gibt es nicht. Das Unwissen und das Fehlen der Einfälle kann nur ausgehalten werden. Aber praktische Erfahrung kann helfen. Die Zuversicht, dass es sich wenden wird. Der Zeitpunkt wird kommen, wo sich ein neues Verständnis einstellen wird. Ich bin mir sicher, dass die schwierige und bedrückende Situation überwunden werden kann – meistens jedenfalls – auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.

Manchmal aber scheitert der Beratungsprozess auch. Aber das wäre ein neues Thema. (j.k.)

Vielleicht helfen ja die Fragen von Pina Bausch (Installation von Peter Pabst im Skulpturenpark “Waldfrieden”, Wuppertal)

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