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Klassenkampf

Dez 10 2013 Published by under Robert Maxeiner

Er herrscht schon eine Zeit lang – und zwar von oben. Möglicherweise geschieht dies in der Regel, indem die Herrschenden, als besonders drastische Beispiele mögen absolutistische, französische Könige gelten, es besonders bunt und schließlich die Massen in den Widerstand trieben.  Vielleicht herrscht immer Klassenkampf, gehört zum Wesen von Gemeinschaften wie regelmäßiges Essen, nur tritt er in besseren Zeiten gemäßigter auf.

Wir haben uns Jahrzehnte lang eingebildet, in Demokratien käme er nicht (mehr) vor, weil das Volk bestimmt, indem es seine Regierung wählt, und indem diese Regierung das Heft politischen Handelns in der Hand hält. Mit beiden Vorstellungen sind wir längst widerlegt.

Wenn Menschen an den Grenzen nach Europa aus ökonomischen Gründen ums Leben kommen, müssen wir von unmenschlichen, undemokratischen und unzivilisierten Zuständen sprechen.

Wenn Gesetze, Verträge, Vereinbarungen so verklausuliert sind, dass sie damit schreiende Ungerechtigkeiten produzieren, lässt sich ein bestehender Klassenkampf nicht mehr verleugnen. Wenn Menschen, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden und hier Schutz suchen, zum Beispiel Roma, wieder zurück geschickt werden… (Nicht EU-Bürger sind übrigens Menschen wie wir, mit den selben, von der internationalen Gemeinschaft beschlossenen Rechten.)

Möglicherweise am selben Tag werden Denkmäler enthüllt, und die Reden beginnen mit: ,Nie wieder…‘

Wenn Gesetze von Lobbyisten ausgearbeitet werden…

Gesunde Menschen für Jahre in der Psychiatrie verschwinden…

Asylsuchende an Flughäfen wie Verbrecher gefangen gehalten werden…

Polizisten friedliche Demonstranten Stunden lang auf engstem Raum einkesseln…

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Indem Politik a priori als ökonomisches Handeln verstanden wird, einer Ökonomie, die sich bei genauerem Hinsehen als die einseitige Bereicherung einer Minderheit heraus stellt…
Natürlich geht es immer auch um Arbeitsplätze, aber irgendwann wird dieses Argument zum Erpressungsversuch. Die Erkenntnisse von sogenannten Wirtschaftsweisen verdienen nicht diese Bezeichnung, und sie nicht diesen Namen, handelt es sich doch fast ausschließlich um mehr oder weniger versteckte Drohungen von gekauften Schwätzern. Die Regierenden verleugnen hartnäckig, das Heft politischen Handels aus der Hand gegeben zu haben, aber sie stellen es unter Beweis, indem sie nicht nur sagen ,Weiter so‘, sondern es auch machen, oder, wie in undemokratischen Staaten üblich, sich realistischerweise mit dem Wenigen, was sie erreichen können, zufrieden geben.

Wie macht man Supervision in diesen Zeiten? Sucht man die letzten, verbleibenden Nischen, wo Geld nicht die einzige oder wichtigste Rolle spielt? Besteht die Reflexion darin, sich und Anderen den eigenen Opportunismus auszureden? Oder machen wir einfach weiter so? Oder beschränken uns auf das vermeintlich Mögliche? Gefährde ich durch mein Geschreibe das Mögliche, den Tropfen, der den Stein höhlt? Ich rufe zu nichts auf, versuche nur, die Dinge beim Namen zu nennen. (RoMa)

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