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Die Förderung des Individuums

Mrz 26 2013 Published by under Jürgen Kreft

Wie müsste Ausbildung oder Fortbildung gestaltet werden, wenn man nicht die Gleichförmigkeit der Menschen sondern gerade ihre Individualität fördern möchte? Gibt es Rahmenbedingungen für die dabei ablaufenden Prozesse? Wie wäre das Verhältnis von Lehrer und Schüler zu gestalten? Diese und ähnliche Fragen sind mir beim Besuch der Ausstellung „Die Bildhauer“ im K20 in Düsseldorf durch den Kopf gegangen.

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen präsentiert Skulpturen, Plastiken und Installationen von Bildhauerinnen und Bildhauern, die in den Jahren seit 1945 an der Kunstakademie Düsseldorf gelehrt oder studiert haben. Die von Tony Cragg – dem derzeitigen Rektor der Akademie – angeregte Überblicksausstellung versammelt ausgewählte Werke von 53 Künstlerinnen und Künstlern in einem chronologischen Rundgang von den Nachkriegsjahren bis in die Gegenwart. Was wirklich beeindruckt, ist die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen, die an keiner Stelle willkürlich wirkt und verblüffende ästhetische und gesellschaftskritische Anstöße für den Betrachter ermöglicht.

Die Rahmenbedingungen, die eine derartige inhaltliche und formale Diversität hervorzubringen vermögen, sind eng verknüpft mit dem Begriff der „künstlerischen Freiheit“. Tony Cragg weist im Kurzführer zur Ausstellung darauf hin, dass Künstler „Passion und Besessenheit“ brauchen – und „Zeit, ihre eigenen, für sie bedeutungsvollen Interessen oder Fragestellungen herauszufinden. Sie sollten ihre Themen – egal auf welche Weise – verfolgen; sie brauchen Zugang zu allem möglichen Wissen diesen Bereich betreffend; sie müssen verstehen, dass es keinen Output ohne Input gibt und dann müssen sie die Bedingungen und Möglichkeiten haben, diese Beobachtungen und das Wissen in Material umzusetzen – egal was dabei herauskommt, wie es aussieht oder was andere davon halten.“ Die Resultate dieser Haltung liegen vor und beleuchten die Entwicklung der Bildhauerei der vergangenen 70 Jahre. Die Ausstellung ist noch geöffnet bis zum 28.7.2013.
Tony Cragg, Skulpturenpark "Waldfrieden" in Wuppertal

Tony Cragg, Skulpturenpark „Waldfrieden“ in Wuppertal

Eigentlich wollte ich keines der Kunstwerke hervorheben. Aber die Wiederentdeckung von „TV-Rodin“ von Nam June Paik aus dem Jahr 1976 hat mich verblüfft. Eine Videokamera richtet sich auf eine Nachbildung von August Rodins „Denker“ und strahlt die Bilder zeitgleich auf einem Monitor aus. Der in sich gekehrte Blick des Denkers richtet sich auf sein eigenes Abbild auf dem Bildschirm und verfängt sich in einer Endlosschleife. (j.k.)

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